Der Rocky Mountaineer fährt nur bei Tageslicht. Kein Meter Landschaft soll in der Dunkelheit verschwinden. Eine Reise auf der Strecke, die Kanada einst zusammengenäht hat.
Wer in Vancouver einsteigt, verabschiedet sich zuerst von der Eile. Der Zug hält über Nacht in Kamloops, mitten im trockenen Hochland von British Columbia. Am nächsten Morgen geht es weiter, durch eine Landschaft, die sich Stunde um Stunde verwandelt: vom Regenwald der Küste über die kargen Hänge des Thompson River bis hinauf in die Gletscherwelt der Rockies.
Die Strecke selbst ist Geschichte. British Columbia trat dem jungen Kanada 1871 nur unter einer Bedingung bei: Eine Eisenbahn sollte die Pazifikküste mit dem Osten verbinden. 1885 schlug man in Craigellachie den letzten Nagel ein. Wenig später folgt der Kicking Horse Pass, einst einer der steilsten Bahnabschnitte Nordamerikas, bis Ingenieure 1909 die Spiral Tunnels in den Berg trieben. Von oben sieht man, wie lange Güterzüge gleichzeitig hinein- und wieder herausfahren.
In der GoldLeaf-Klasse sitzt man im Obergeschoss unter einer Glaskuppel, eine Etage tiefer wird mit Zutaten aus der Region gekocht. Auch in der Saison 2027 verbindet Rocky Mountaineer die Fahrt erstmals mit einer Folge von Fairmont-Häusern zwischen Vancouver, Lake Louise, Banff und Calgary.
Was am Ende bleibt, ist dennoch nicht der Komfort, sondern ein Gefühl für Maßstab: dass dieses Land schlicht zu groß ist für die Eile.
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